Pressestimmen
Nicola Porpora: La Morte d’Ercole, Vranov nad Dyjí 27. 7. 2009
Der Schriftsteller und Musikwissenschaftler Romain Rolland, der sich lange vor der Renaissance der Alten Musik der Barockzeit widmete, urteilte einmal über Händel, er habe zu seinem Erstaunen, „ die große Überlegenheit von Porpora in Bezug auf den großen Stil und dramatische Kraft beoachtet.“ Der Dirigent und Cembalist Ondřej Macek, der vor zwei Jahren in der Wiener Nationalbibliothek die bislang unbekannte Serenade „La morte di Ercole“ von Nicola Porpora aus dem Jahr 1711 entdeckte, muß ähnlich gedacht haben: Für das kleine intime Sommer-Musikfest im Schloss des tschechischen Frayn an der Thaya schlug er im Händel-Jubiläumsjahr kein Werk des genialen Sachsen vor, sondern dieses frisch dem Archivstaub entrissene Kleinod aus der besten Phase Porporas, seiner Zeit in Neapel. Dieser wohltönende „Tod des Herkules“ wurde nun in barocker Gestik unter der Regie von Zuzana Vrbová erstmals seit 298 Jahren aufgeführt.
Von 1711 bis 1723 war Porpora „maestro di capella“ des hessischen Prinzen Philipp von Hessen Darmstadt, der in einem prächtigen Palast in Neapel residierte und dort auch die Kaiserkrönung Karls VI. mit einem standesgemäßen Fest feierte. Für diesen großen Anlass gab er bei Porpora die Serenade in Auftrag, die den Abend als lustvolles Ornament bereichern sollte: Oper zum Dessert. Das Thema des treulosen Herkules, dem seine leidenschaftliche Affäre zu Iole am Ende einen schmachvollen Tod mit anschließender Vergötterung einbringt, wirkt freilich eher schwer verdaulich.
Der Beginn der Serenade dürfte die damalige Festgesellschaft allerdings zum Schmunzeln angeregt haben, denn die legitime Gattin von Ercole, Deianira, streitet sich mit ihrer Nebenbuhlerin Wort und Arien-reich um die Gunst ihres Lovers: belcantistischer Damenzank der Extraklasse. Pavla Štěpničková gab als Deianira mit ihrem warmen Mezzospran souverän die wehe, rechtmäßig Angetraute von Ercole. Und Jana Bínova Koucká, die kurzfristig eingesprungen war, bewältigte die hochvirtuosen Arien mit schön timbriertem Sopran und überzeugender Dynamik. Der sehr junge Bass-Bariton Ivo Michl als Ercole konnte gegen die beiden um ihn streitenden Damen nicht ganz mithalten, seine Rolle zeichnet aber sowieso ein eher mickriges Bild des großen Kämpfers: Naiv streift er sich schliesslich das Nessos-Hemd über, das ihm Deianira schenkt, und stirbt daran wohltönend.
Das kleine Orchester von Ondřej Macek, die tschechischen „Hofmusici“, die durchweg auf historischen Instrumenten musizieren, brachten dieses Kleinod sehr temperamentvoll zum Klingen. Der komplett unterschätzte Porpora, der neben seinen sechzig Opern auch als Gesangslehrer musikhistorische Größen wie Caffarelli und Farinelli ausbildete, wusste nämlich besonders effektvolle Musik für die menschliche Stimme zu schreiben.
Macek kann sich bei seinem durchweg rasanten Tempo vor allem auf den hervorragenden Konzertmeister Szabolcs Illés verlassen, der dem Publikum im herrlichen Ahnensaal des Barockschlosses in Thain an der Fraya auch ein berückendes Violinsolo bot. Der vollkommen um 1700 ausgemalte Saal wird umrahmt von barocken Statuen, die die Ahnen des habsburgischen Reichsgrafen-Geschlechts der Althan stellen. Als steinerne Gäste, von der Musik fast zum Leben erweckt, wohnten sie ihrerseits einer veritablen Wiedererweckung bei. Sie zeigte, daß Romain Rolland mit seinem Urteil zugunsten Poporas nicht gänzlich unrecht hatte.
Porpora: La Morte d’Ercole
Barockorchester Hof-Musici, Musikalische Leitung: Ondřej Macek.
Inszenierung: Zuzana Vrbová.
Solisten: Pavla Štĕpničková (Deianira), Jana Bínová-Koucká (Iole), Ivo Michl ( Ercole).
(Birgit Paulus, Opernwelt 09/2009)
Antonio Caldara: Scipione Affricano il Maggiore, Frain a. d. Thaya, 2006
... Das Ensemble spielt auf Originalinstrumenten und beherrscht diese sowie alle Details der barocken Aufführungspraxis perfekt. Besonders bemerkenswert ist die szenische Realisierung. Da gibt es keine Regie im modernen Sinn, sondern jeder Schritt, jede Bewegung und jede Geste entsprechen dem, was als barocke Bühnenkunst galt und in entsprechenden Lehrbüchern studiert werden kann ... So konnte man auch diese aktualisierende Idee des barocken Gesamtkunstwerkes nachvollziehen und verstehen, was wieder die angestrebte völlige Einheit von Musik und Bühne nachvollziehbar macht, eine Einheit, die auch dem Verständnis der Musik gut tut und diese ohne jede Ablenkung so bewundern läßt, wie sie es verdient... ("Aus dem Tresor auf die Bühne". Prof. Dr. Otto Biba, Musikfreunde, Wien 11/2006)
Antonio Caldara: Ghirlanda di Fiori, Frain a. d. Thaya, 2005
... Die höchst anspruchsvollen Instrumentalsoli waren ebenso gur studiert un perfekt dargeboten wie die schwierigen Gesangpartien, sodaß man sich über das Können der barocken Hofmusiker auf Schloß Frain und der damals singenden Familienmitglieder nur wundern und die heutigen Ausführenden bewundern konnte... (Prof. Dr. Otto Biba, The Record Geijtusu, Tokio 11/2005)
Händel-Gesellschaft Karlsruhe, Konzerttournee October 2000, Schloß Gottesaue
... Bereits hier zeigte sich feines Zusammenspiel, impulsives Zupacken und Freude an der Gestaltung... Nach jedem Programmpunkt durfte das Ensemble warmen Beifall entgegennehmen... (Badische Neueste Nachrichten, 13. 10. 2000)
G. F. Händel: Imeneo, Prag Frühling 1998
... Besonders Wert wurde auf die barocke Gestik der Solisten gelegt. Den jungen Sängerinnen und Sänger und dem auf historischen Instrumenten spielenden Orchestr gelangt eine stark applaudierente eindrucksvolle Aufführung. Die musikalische und szenische (gestische) Einstudierung und die Leitung der Aufführung oblag dem inmitten seines Klangkörpers (wie einst Händel) am Cembalo agierenden Leiter des Ensembles, Ondřej Macek. Er erreichte damit eine neue höhere Stufe der Aufführungen. (Händel-Hausmitteilungen 3/1998)